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Barbro Karlén, Anne Frank und die Frage nach Karma und Judentum

*von Roland M. Horn

In dem Buch Und die Wölfe heulten - Eine Autobiographie (erschienen im Perseus-Verlag, Basel im November 1997 und in mehrere Fremdsprachen übersetzt) behauptet die schwedische Autorin Barbro Karlén, die wiedergeborene Anne Frank zu sein. Anne Frank war ein jüdisches deutsches Mädchen, das kurz vor dem Kriegsende im KZ Bergen-Belsen von den Nazis getötet wurde. Zuvor lebte sie versteckt mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam, wo sie ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch niederschrieb.

Auf der Seite http://www.sytekcom.com/roostere/Karlén-1.html (Zugriff am 28.01.2010) bespricht Rabbi und Reinkarnationsforscher Yonassan Gershom diesen Fall. Dabei bezieht er sich auf die deutsche Originalversion des Buches, wobei er die Zitate ins Englische übersetzt hat. Gershom war, als er zuerst von dem Fall hörte, skeptisch. Er stand zuvor in Kontakt mit vier anderen Personen, die ebenfalls behauptet hatten, die wiedergeborene Anne Frank zu sein. Bei Menschen, die behaupten, früher einmal eine bekannte Person gewesen zu sein, ist Gershom grundsätzlich vorsichtig, weil die Bibliografien dieser Personen nur allzu bekannt sind und so es sehr schwer ist, Fakt und Fiktion auseinander zu halten.

Anne Franks Fall war aus ihren Tagebüchern bekannt, und es gibt eine Menge an Filmen, Büchern,Anne Frank Bücherregal Dokumentationen und vieles mehr.

Gershom ist der Meinung, dass der Fall Barbro Karlén viele archetypischen Bilder enthält, die man als bloße Fantasie ansehen könne, doch es stelle sich der Frage, ob es nicht auch echte Erinnerungen an eine vergangenes Leben als Anne Frank gibt.

Barbro Karlén behauptete erstmals 1995 während eines TV- Interviews in Amsterdam, die wiedergeborene Anne Frank zu sein.

Karlén war 1954 im schwedischen Göteborg geboren worden. Ihre Eltern waren keine Juden, und sie glaubten auch nicht an die Reinkarnation. Barbro ist, wie Gershom schreibt, als

Wunderkind bekannt, das im Alter von 12 Jahren begann, zehn Bände von philosophischer Prosa und Poesie zu schreiben. Das führte zu einem heftigen Medieninteresse in Schweden. Die junge Barbro fand sich von ihren vorherigen Freunden und Klassenkameraden abgelehnt, die sie jetzt gnadenlos aufzogen, weil sie so anders war. So wurde aus Barbro eine talentierte, aber einsame Frau, die Trost in der Natur und durch Reiten suchte. Eine Hochzeit platzte und sie verlor ihre Farm. Nun war sie aus gezwungen, sich eine andere Arbeit zu suchen. Sie arbeitete nun bei der berittenen Polizei und holte einige Preise für ihre Reitkunst.

All dies, schreibt Gershom, ist in den Annalen der schwedischen Literatur wohlbekannt. Was nicht so bekannt sei, ist, dass Barbro schon in frühem Alter wiederkehrende Alpträume hatte, in denen es um den Holocaust ging. Gershom zitiert nach der Seite 7 des genannten Buches:


„"Die Dunkelheit schloss sich immer mehr straff um sie herum. Sie schrie und ist vom Terror gelähmt. Ihr kleiner Körper schüttelt sich und ist schweißgebadet. Sie hört, wie sie zurück zum Kanal-Haus mit seinen vielen Treppen rannte. Die Kommandanten schnitten ihr [etwas] wie ein Messer ins Fleisch. Hunde bellten. Mit einem lauten Krachen ist das Tor gebrochen…

Sie wacht auf, und draußen ist es bereits hell. Vögel singen, und es ist sehr still. Noch nicht vollkommen erwacht aus ihrem Traum, versuchte sie die Tränen aus ihren Augen zu wischen.“


So beginnt ihr Buch. Um ihre Geschichte in einer objektiveren Art zu präsentieren, schrieb sie ihr Buch in Form einer „Dritten- Person-Novelle“ mit „Sara Carpenter“ in der Rolle des Hauptcharakters. Doch die Aufschrift auf dem Buchcover sagt klar aus, dass es sich bei dem Buch um eine Autobiografie handelt. Tatsächlich beschreiben die Ereignisse im Leben der „Sara Carpenter“ jene der Barbro Karlén.

In einem ausgesprochen langen Anhang bietet, wie Gershom berichtet, der Herausgeber und Verleger Thomas Meyer folgende Erklärung für das fiktionale Format (S. 321-32) nach Angaben von Gershom:


„Es ist zweifellos klar: Saras Erlebnisse sind in Wirklichkeit Einzelheiten aus den Erfahrungen der Autorin selbst. Dies kann aus der Tatsache abgeleitet werden, dass Texte, die in dem Buch Sara zugeschrieben wurden, wörtlich aus vorher erschienenen Werken von Barbro Karlén zitiert sind…Warum stellt die Autorin dann ‚Sara Carpenter’ zwischen sich selbst und den Leser?


Ein offensichtlicher Grund ist der, dass durch dieses fiktionale Element ein sicherer Grund vor neuen Attacken auf sie in Schweden gegeben ist. […] Es [macht] auch ohne Worte [Sinn], dass all die Namen von Charakteren aus dem gleichen Grund in dem Buch fiktional sind. Auf einer tieferen Ebene mag der Autor auch zu seinen Lesern sagen: Man kann mich weder allein mit meinem vorangegangenem Leben auf der Erde identifizieren, noch mit meinem gegenwärtigen jetzt. In diesem Buch präsentiere ich das lebendige Bild einer Person mit einem Karma aus einem vergangenen Leben als Jüdin, und ich betrachte dieses Leben von außerhalb. Noch ein dritter Aspekt des fiktionalen Namens: Vielleicht lässt es dem Leser mehr Frei[heit], um sich mit der Verbindung zwischen Sara und Anna (Frank) zu befassen. Man kann dann die Frage offen lassen und/oder als Fiktion nehmen. […].“ (Texte in eckigen Klammern durch R. M. H, ursprüngliche in eckigen Klammern stehende Begriffe durch runde Klammern ersetzt)


Ob die Behauptung, die wiedergeborene Anna Frank zu sein, Tatsache oder Fiktion ist, sei aus dem Buch heraus schwer zu bestimmen, meint Gershom. Obwohl Karlén uns Beschreibungen

von Saras bzw. Barbros Flashbacks aus dem vorherigen Leben gibt und karmische Verbindungen mit Ereignissen in ihrem gegenwärtigen Leben zieht, verbinde nur eine einzige Stelle deutlich diese Erinnerungen mit jener der Anne Frank. Als Sara erst zehn Jahre alt war, hätten ihre Eltern sie mit auf eine Reise nach Paris, Brüssel und Amsterdam mitgenommen. Paris und Brüssel schienen ihr bedrohlich fremd zu sein, doch als sie nach Amsterdam kamen, fühlte Sara sich so, als wäre sie schon einmal dort gewesen.

Anne Frank-Haus Nach dem Einchecken beschlossen ihre Eltern das Anne-Frank- Haus zu besuchen. Sara hatte von der Geschichte der Anna Frank bereits gehört, jedoch nicht ihr Tagebuch gelesen.

Obwohl es allgemein schwer ist, das Anne-Frank-Haus zu finden, fand Barbro es auf Anhieb. Ihre Eltern waren sprachlos. Als sie angekommen waren, bekam Sara eine unerklärliche Angst. Sie schauderte, als die Familie dabei war, das nahe, dreigeschossige Gebäude zu betreten, das heute das Anne-Frank- Museum ist. Die Stufen sahen, gar nicht so aus, wie sie sollten, staunte Sara, als sie vor den Stufen vor dem Eingang stand. Im Gebäude ergriff Sara vor Angst die Hand ihrer Mutter. Ihre eigene Hand war eiskalt. Als sie das Versteck der Anne Frank betraten, befiel Sara die gleiche Angst, die sie aus ihren Träumen kannte. Sie hatte Schwierigkeiten zu atmen und verfiel so sehr in Panik, dass sie herausrennen musste. Obwohl es Sommer war, fröstelte sie.

Als sie einen schmalen Raum betraten, sah Sara an die Wand und sagte: „Oh schau – die Filmstar-Bilder sind immer noch da!“ Doch ihre Mutter sah nur eine leere Wand und fragte: „Was für Bilder? Die Wand ist leer!“ Als Sara nochmals an die Wand sah, bemerkte sie, dass ihre Mutter Recht hatte und war durcheinander. Sie war sich sicher, dass diese Bilder hier gehangen hatten. Sie hat sie doch gerade gesehen! Warum konnte sie sie plötzlich nicht mehr sehen?

Saras Mutter fragte einen der Bediensteten des Museums nach der Wand: Der Raum mit der fraglichen Wand war einst Anne Franks Schlafzimmer und tatsächlich waren dort früher Bilder von Filmstars angebracht. Das Museums-Personal hatte sie zu ihrem Schutz abgenommen und unter Glas ausgestellt. Die Museums-Literatur bestätigte übrigens auch, dass einige der Stufen umgestaltet worden waren.

„Auf den ersten Blick“, meint Gershom, „erscheint diese Geschichte ähnlich vielen Fällen, die ich selbst berichtete hatte, bezüglich den Flashbacks von Holocaust-Szenen aus einem anderen Leben. Und es konnte sehr gut dergleichen sein. Jedoch könnte man ebenso argumentieren, dass das, was Sara [Barbro] an der Wand sah, nicht eine Szene aus ihrem vergangenen Leben, war, sondern eher eine Art psychischen Abdrucks, die der „Äther“ des Hauses selbst hinterließ!“ (Gershom nach: http://www.sytekcom.com/roostere/Karlén-1.html – Zugriff am 28.01.2010)

Anne Frank lebte über zwei Jahre lang in diesem geheimen Appartement. In ihrem Tagebuch beschreibt sie, dass die Zeit in einer reglosen Stille vorüberging. Sie verbrachte buchstäblich Stunden alleine in ihrem Raum und schrieb an ihrem Tagebuch, träumte von ihren geliebten Filmstars, um die Langeweile zu überwinden. Gershom hält es für denkbar, dass die geistige Energie, die sie in die Beschäftigung mit diese Foto-Wand invertierte, einen bleibenden Abdruck hinterließen, die Sara bzw. Barbro sah, als sie den Raum betrat.

Im April 1997 traf sich Gershom mit Thomas Meyer vom Perseus-Verlag. Meyer sagte Gershom, dass er überzeugt sei, dass Barbro Karlén die wiedergeborene Anne Frank sei und sogar Mitglieder von Annes Familie diese Idee unterstützten. Zusätzlich berichtete Meyer, dass Cara Wilson, die ihren langen Briefwechsel mit Anne Franks Vater Otto führte, auch überzeugt davon sei, dass Barbro Karlén die reinkanierte Anne Frank sei. Diese Dinge wurden jedoch nicht im Buch veröffentlicht. Gershom: „Obwohl Meyer uns im Anhang seine eigene Analyse von der Karlén-Geschichte bietet, gibt es dort keine Erwähnung irgendeiner äußeren Bestätigung von irgendjemanden, der mit Anne Frank verbunden war.“ Das Buch enthält ein Foto, auf dem Barbro Karlén und Cara Wilson gemeinsam zu sehen sind, doch eine Erklärung dafür, warum es in diesem Buch auftaucht, fehlt. Dieses Fehlen von Wissenschaftlichkeit war eine große Enttäuschung für Gershom, weil er nach dem Gespräch mit Meyer solides Beweismaterial erwartet hatte. Stattdessen scheint es so, dass Barbro Karlén entschieden hätte, die Geschichte als Fiktion veröffentlichen zu lassen und dann ihre Behauptungen in Medien-Interviews klarzustellen. Gershom hält dies für eine schlechte Idee, weil darunter Barbro Karléns Glaubwürdigkeit leiden würde. Obwohl er für Barbro Karléns anfängliches Zögern, klar zu stellen, dass sie sich für Anne Frank hält, Verständnis hat – denn hat man einmal eine Behauptung aufgestellt, wird der Leser automatisch weitere Beweise sehen wollen – versteht er nicht, warum sie in dem Buch sich nicht klar darüber geäußert hat, weil die Geschichte bereits zwei Jahre zuvor in einem Fernsehinterview mit Barbro Karlén bekannt gegeben wurde. Es wäre bedeutend besser gewesen, wenn Barbro Karlén mehr als nur ein Ereignis wie jenes im Anna- Frank-Haus berichtet hätte. Der Rest ihrer Träume und Flashbacks, wenigstens soweit im Buch beschrieben, könnten gut über Anne Frank berichten, aber andererseits auch archetypisch genug sei, um sie irgendeinem anderen Holocaust-Opfer zuzuschreiben.

Überhaupt befinden sich Gershom zufolge einige Dinge in dem Buch, die für ihn eher eine psychologische Identifikation mit der Symbolik des Holocausts sprechen. So geht es in der Geschichte oft darum, wie Sara, also Barbro, in diesem Leben drangsaliert und verleumdet wurde, weil sie ein Wunderkind war, sowie später von ihren Kollegen bei der Polizei, weil sie unter den ersten berittenen weiblichen Polizisten in Schweden gehörte. Am Ende entwickelte sich das, was als ein erniedrigender sexistischen Initiationsritus begann, bald zu einer ausgewachsenen Fehde. Üble Gerüchte wurden gestreut, es kam zu falschen Beschuldigungen, Sabotage, bösartigen Angriffen in der Presse, und Mordversuchen. Der Titel des Buches „Und die Wölfe heulten“ ist ein Hinweis auf diese gefühllose Hass-Kampagne. Gershom zitiert aus: Wilson, Cara: Alles Liebe, Otto (Basel):


„Es ist wie ein Rudel Wölfe, dachte Sara. Einer beginnt zu heulen und nach der Beute zu jagen, und die anderen folgen, ohne wirklich zu wissen, hinter was sie herjagen. Tatsächlich heult das gesamte Rudel nach der Beute, die tatsächlich nur der Leitwolf ausgesucht hat. Wenn sie schließlich ihr Opfer überwältigen, reißen sie in ihrem Rausch ihr Opfer in Stücke, ohne selbst zu prüfen, was es ist, fallen sie mit einer derartigen Gier über es her.“


Auf dem Höhepunkt dieser Auseinandersetzung unterstützt in dem Buch ein Mädchen namens Mary Sara. Als sie von den bösen Gerüchten hört, geschieht folgendes (Gershom zitiert aus Karléns Buch, S, 190):


„Als Mary Veronica [eine Klatschbase in dem Reitklub] hörte, fühlte sich mehr und mehr unbehaglich. Dies überschritt den Rahmen der gewöhnlichen „unproduktiven Klatscherei“. Dies war Meinungsmache und bösartiger Rufmord. Mary fand sich selbst unfreiwillig über den Gang der menschlichen Geschichte nachdenkend vor. Das war, warum es geschah, als sie die Juden [Barbro Karlén hebt dieses Wort durch Fettschrift hervor. RMH] verfolgten, dachte Mary. [Die] Leute behaupteten beständig, dass sie so und so zu sein hätten, und am Ende glaubte es jeder, selbst wenn es absolut keine Grundlage hatte. […]“


Nachdem Gershom diese Stelle gelesen hatte, fragte er sich, ob es tatsächlich eine wirklich existierende „Mary“ gab, die ebenso die die Verfolgung von Barbro Karlén mit jenen der Juden verglich. Verursachte diese Anmerkung wiederum, dass Barbro sich mit ihrem eigenen Leiden mit dem Holocaust-Archetyp identifizierte? Oder war „Marys“ Bemerkung einfach eine Tür, die Barbros Geist die für die Antwort, die im vergangenen Leben lag, öffnete, die es immer schon gab?

Zehn Seiten stieß Gershom auf einen weiteren Holocaust- Alptraum, in dem Barbro einen Nazi-Offizier erkannte, der sie in ihrem vergangenen Leben verhaftet hatte, als einen ihrer gegenwärtigen Verfolger im Polizei-Departement.

„Er [der Nazi] ergriff sie an dem Haare und schleppte sie nach draußen auf die Straße, dann schubste er sie in ein schwarzes Auto. Sie schrie auf, als sie sein Gesicht erkannte.“ (Zitat von Gershom nach Karlén, S. 122)


Weitere Träume enthüllten eine Szene in einem KZ, in dem eine deutsche Frau, die gerade selbst von einem Nazi-Offizier erschossen werden sollte, Anna beschuldigte und sie verfluchte:


„Du kannst mich nicht so behandeln! Alles ist die Schuld dieser verdammten jüdischen Hure!’ Doch niemand hörte ihr zu. Einer der Männer zog seine Pistole und richtete sie auf ihren Kopf. Bevor der Schuss losging, schwor die Frau einen ‚heiligen’ Eid: sie würde niemals ruhen, bis sie das Augenlicht der jüdischen Strauchdiebe ausgelöscht hätte. Sie schrie ihren Fluch, der schließlich durch die Kugel zum Verstummen gebracht wurde.“(Gershom zitiert aus Karléns Buch, S. 134)

 

In dem Buch identifiziert Sara diese Frau aus ihrem vergangenen Leben als „Fr. Pester“, einer Journalistin, die verleumderische Artikel über sie (in diesem Leben) schrieb. So beschuldigte sie „Sara“ fälschlicherweise der Tierquälerei. Da die reinkanierte Seele der verdammten Frau ihr nicht die Augenlichter auslöschen konnte, was buchstäblich bedeute, Sara zu töten, tat sie es symbolisch, indem sie versuchte, ihre Reputation zu zerstören und ihren Geist zu brechen, schreibt Gershom.

Ein plausibles karmisches Szenario, meint Gershom, doch wir bekämen keinen Hinweis, ob solch ein Fluch tatsächlich gegenüber Anne Frank ausgesprochen worden war.

Heute betrachte sich Barbro als eine Kombination aus beiden Leben. Ihre Kämpfe, die sie in diesem Leben führen musste, würden auf irgendeine Weise nachträglich die Seele Anne Franks befreien, behauptet sie. Am Ende des Buches schildert Sara eine Menge von Träumen, in denen sie Anne Frank bei dem Schreiben ihres Tagebuches beobachtet. „Doch die Worte, die sie schreibt, sind jene aus Karléns Geschichte“, wie Gershom sagt. Als Anna das Buch beendet (das Karlén veröffentlichen lassen wird), steht sie auf und lächelt, um dann die Treppe hinunter zu gehen und das Haus zu verlassen, in dem sie und ihre Familie sich versteckt gehalten hatten. Sie atmet die frische Luft und den Sonnenschein und erfreut sich an ihrer Freiheit. „Nicht als Anne und nicht als Sara“, um dann zu schreiben: „Und am Ende hörten die Wölfe auf, zu heulen.“

Gershom schreibt:


„So werden wir mit meiner ursprünglichen Frage zurückgelassen: Ist Barbro Karlén wirklich die Reinkarnation von Anne Frank? Auf der einen Seite, haben wir ein eindrucksvolles Kindheitserlebnis, in dem sie sich an Dinge in dem Anne-Frank-Haus erinnert. Auf der anderen Seite scheint die Geschichte mehr eine archetypische Identifikation mit Annes Leiden und Verfolgung zu sein. Ich für meinen Teil zweifle nicht an Karléns Aufrichtigkeit. Ich bin gar gewillt, zu glauben, dass sie in einem anderen Leben von den Nazis getötet wurde. Doch war sie wirklich Anne Frank? Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“


Dieser Fall schlug Wellen. Ihre Behauptung, die Wiedergeburt Anne Franks zu sein bzw. die Äußerungen ihres Verlegers Thomas Meyer nach Meinung einiger Personen und Gruppierungen eine Verharmlosung des Holocaust darstellen sollen.


So setzt sich beispielsweise Iso Ambühl in einem Artikel, der für das Israelitische Wochenblatt (s. http://www.hagalil.com/schweiz/israelit/iw-2000.htm - Zugriff am 28.01.2010) vom 26.05.1998 mit diesem Thema auseinander. Der Artikel wird auf der Seite der Aktion Kinder des Holocaust- Vereinigung gegen Antisemitismus, Rassismus und politischen Extremismus, (http://www.akdh.ch/ps/ps_30-IW-Karlen.html - Zugriff am 18.03.2010) wiedergegeben. In diesem Artikel, der die Überschrift „Barbro Karlén: Selbsternannte Wiedergeburt von Anne Frank“ trägt, geht es um Veranstaltungen mit Barbro Karlén, die in den Tagen vor der Veröffentlichung des Artikels im Israelitischen Wochenblatt in Basel und Zürich stattfanden.

„Die Aktion Kinder des Holocaust machte gegen Karlén mobil und verurteilte ‚die Vereinnahmung von Anne Frank’ und „den Missbrauch ihrer Geschichte.“


Das ist natürlich ein Problem. Ist Karlén Geschichte unwahr, handelt es sich tatsächlich um eine Vereinnahmung der Anne Frank und den Missbrauch ihrer Geschichte Doch was ist, wenn die Geschichte tatsächlich wahr ist und Barbro Karlén tatsächlich die Wiedergeburt der Anne Frank ist oder zumindest glaubt, es zu sein? Hätte sie dann aus moralischen Gründen ihr Buch nicht schreiben sollen oder hätte Meyer sich weigern sollen, es zu veröffentlichen? Erstaunlicher Weise scheinen die Kritiker von Karléns Buch sich mit der Möglichkeit, dass Karlén Behauptungen ja wahr sein könnte, gar nicht erst nicht zu befassen.

Interessant ist jedoch, dass in dem vorliegenden Artikel zu lesen ist, dass Buddy Elias, der Präsident des Anne-Frank-Fonds, sich positiv zu Karlén stellte. Und prompt forderte die Aktion seinen Rücktritt.

Der Journalist Ronald Goldberger, der „neuerdings auch als Heiler und Reinkarnationstherapeut firmiert“, hatte zwei Abende zum Thema „Wiedergeburt: Fiktion oder Realität“ organisiert und verwies auf die Kernaussagen von Karléns Buch, nach denen „unser heutiges Leben nachhaltig von den Erfahrungen vergangener Leben geprägt“ sei. Karlén vermittle „unerschütterlich“ eine Botschaft. Goldberger und wird mit den folgenden Worten zitiert:


„Weder Hass noch ewige Trauer, sondern von tiefem Verständnis für den Mitmenschen getragenen Liebe vermag die Narben der Vergangenheit am ehesten zu heilen.“


Meyer sagt, die Reinkarnation biete die Möglichkeit, den Holocaust tiefer zu verstehen und betont, dass dies kein Versuch sei, ihn zu verharmlosen. Die Idee des wiederkehrenden Lebens stelle für Meyer ein Heilmittel gegen Rassismus dar. Im Nachwort zum Buch stelle er die schwedische Schriftstellerin auf die gleiche Stufe wie Anne Frank, heißt es in dem Artikel. Meyer sagt „Anne Frank wurde weltweit zum Symbol der sinnlosen Vernichtung, fremdrassischen Lebens’. Barbro Karlén verkörpert durch ihr Leben und Werk die absolute Unvernichtbarkeit der „Seele“ oder Individualität des Menschen – der „Seele“, welche mehr als Glied zu sein [scheint] von irgendeiner Rasse, irgendeines Volkes, irgendeiner Religionsgemeinschaft [, sondern] in erster Lied Glied der ganzen Menschheit ist.“

Zunächst muss festgehalten werden, dass der erste Satz eine unumstößliche Wahrheit ist: Der Holocaust war eine sinnlose Vernichtung angeblich fremdrassischen Lebens, und es führt kein Weg daran, ständig wieder an dieses vielleicht grausamste Verbrechen in der Menschheitsgeschichte zu erinnern. Im zweiten Teil beschreibt Meyer das Wesen der Seele an sich. Dass Barbro Karlén diese Eigenschaften der Seele vertrete, mag übertrieben sein, doch ist dies kein nennenswerter Kritikpunkt. Eine „Gleichstellung“ Anne Franks mit Barbro Karlén kann ich aus diesem Zitat nicht ersehen, abgesehen davon, dass Meyer der Meinung ist, dass beide Personen zwei Verkörperungen ein und derselben Seele seien. Aus diesem Zitat jedoch eine „Gleichstellung der Personen Anne Frank und Barbro Karlén“ abzuleiten, scheint mir allerdings ein wenig konstruiert zu sein. Die Aktion Kinder des Holocaust meinte jedoch:


„Egal, was man vom Gedanken der Wiedergeburt halten mag, dieser Versuch einer öffentlichen Beweisführung der „absoluten Unvernichtbarkeit der Seele“ anhand des wirkungsvollen Namens Anne Frank ist entschieden zu verurteilen. Es ist eine zusätzliche Vereinnahmung und ein Missbrauch ihrer Geschichte.“

 

Hier gilt das oben gesagte: Wenn Barbro Karlén nicht glaubt, dass sie die Widerverkörperung Anne Franks ist, sondern diese Behauptung schlicht erfunden hat, ist diese Bemerkung sicher richtig. Doch der Beginn dieses Zitats „Egal, was man vom Gedanken der Wiedergeburt halten mag“, passt nicht so recht zum Rest des Zitats, denn wenn man glaubt, dass es die Wiedergeburt gibt, dann ist dem in diesem Sinne Gläubigen, nicht zu verwehren, auch an Barbro Karlén Geschichten zu glauben, zumal es ja ein Indiz gibt, dass für die Echtheit der Geschichte sprechen könnte. Auf dieses Indiz, auf das der Jude Gershom ausführlich eingegangen ist, wird jedoch von der Aktion Kinder des Holocausts nicht eingegangen. Insofern erscheint die Wendung „Egal. Was man vom Gedanken der Wiedergeburt hält“ in diesem Zusammenhang nicht viel mehr als eine hohle Phrase zu sein. Die Aktion, die die Veranstaltung verhindern wollte, erhielt Unterstützung durch Vincent C. Frank, dem ehemaligen Präsidenten des Anne-Frank-Fonds, der zum Barbro Karlén-Fall sagt, wenn man den Gedanken der Reinkarnation weiterdenke, hieße dies doch, dass der Holocaust und das grausame Sterben von Anne Frank harmlos, ja heilsgeschichtlich erforderlich waren. „Sie stellten dann eine Voraussetzung für die Wiedergeburt von Anne und damit aller anderen Opfer dar.“ Diese Vorstellung bezeichnete er als „inakzeptabel“. Äußerungen wie diese offenbaren eine Nichtkenntnis der Lehre von der Wiedergeburt und den Gesetzen des Karmas.

Es scheint hier notwendig, den Begriff Karma zu definieren.

Die Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Karma - Zugriff am 03.02.2010) schreibt:

 

„Karma […] bezeichnet ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat. Diese muss nicht unbedingt im aktuellen Leben wirksam werden, sondern kann sich möglicherweise erst in einem der nächsten Leben manifestieren.


In den indischen Religionen ist die Lehre des Karma eng mit dem Glauben an Samsara, den Kreislauf der Wiedergeburten, verbunden, und damit an die Gültigkeit des Ursache-Wirkungs- Prinzips auf geistiger Ebene auch über mehrere Lebensspannen hinweg. Im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus bezeichnet der Begriff die Folge jeder Tat, die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in jeder Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Karma entsteht demnach durch eine Gesetzmäßigkeit und nicht infolge einer Beurteilung durch einen Weltenrichter oder Gott, es geht darum nicht um ‚Göttliche Gnade’ oder ‚Strafe’. Nicht nur ‚schlechtes’ Karma erzeugt den Kreislauf der Wiedergeburten, sondern gleichermaßen das ‚gute’. Letztes Ziel ist es darum, überhaupt kein Karma mehr zu erzeugen.“


Eine weitere Definition entnehme ich der Seite http://www.heilungundbefreiung.com/kartenlegen/karma/index.html (Zugriff am 03.02.2010):


„Unter Karma (…) wird ein spirituelles Konzept verstanden, wonach jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat.

Karma entsteht demnach durch eine Gesetzmäßigkeit und nicht infolge einer Beurteilung durch einen Weltenrichter oder Gott, es geht darum nicht um ‚Göttliche Gnade’ oder ‚Strafe’. Nicht nur „schlechtes“ Karma erzeugt den Kreislauf der Wiedergeburten, sondern gleichermaßen das ‚gute’. Letztes Ziel ist es darum, überhaupt kein Karma mehr zu erzeugen.

- Karma Pāli: kamma, wörtl. ‚Wirken, Tat’ bezeichnet den die Wiedergeburt erzeugenden oder Charakter und Geschick der Wesen beeinflussenden heilsamen oder unheilsamen Willen (kusala- oder akusala-cetanā) sowie die damit verbundenen Geistesfaktoren. Dieser karmische Wille (kamma-cetanā) äußert sich in körperlichen Taten (kāya-kamma), in Worten (vacī- kamma) oder bloß in Gedanken (mano-kamma).

Karma bedeutet also keineswegs das Schicksal von Menschen oder ganzen Völkern, wie […] die beinahe allgemeine Auffassung im Westen ist. […]“


Besonders interessant ist in dem letzten Zitat der Auszug:



„Karma bedeutet also keineswegs das Schicksal von Menschen oder ganzen Völkern, wie […] die beinahe allgemeine Auffassung im Westen ist.“


Richtet man sich also nach der ursprünglichen Karmalehre, entbehren Aussagen, die man im Westen immer wieder hört, wie jene, dass das jüdische Volk sich den Holocaust selbst ausgesucht hätte, jeder Grundlage. Offensichtlich basieren diese Aussagen auf der „beinahe allgemeinen Auffassung im Westen“, von der sich der Autor ausdrücklich distanziert. Doch diese Differenzierung wird von den Kritikern leider nicht vorgenommen, sondern die Vorwürfe werden an die Karma- Lehre und den Glauben an die Wiedergeburt allgemein gerichtet. Dies ist jedoch nicht korrekt. Hierzu ergänzend sei ein Auszug aus der Seite

http://www.bhakti-yoga.ch/FAQ/Karma/Karma.html (Zugriff am 03.02.2009) gebracht:


„Karma richtet sich niemals gegen ein Volk oder gegen eine Rasse.

Das Nazi-Bestreben der Judenvernichtung war natürlich gegen ein Volk – oder besser – gegen eine Glaubensgemeinschaft gerichtet. Die Täter waren Menschen (wie Hitler und seine Vasallen), die aufgrund ihres rassistischen Gedankenmülls ein ganz bestimmtes (Glaubens-) Volk vernichten wollten.

Aber was das Karma betrifft, kennt dieses weder ‚Judenvernichtung’, noch richtet es sich gegen ‚ein Volk’ oder gegen eine ‚Glaubensgemeinschaft’. Karma richtet sich weder gegen Juden, noch Indianer, noch überhaupt gegen jemanden, dem es schlecht geht – ja, es richtet sich nicht einmal gegen Mörder. Das Wort ‚gegen’ in Bezug zu Karma ist ganz und gar fehl am Platz.

Es ist egal[,] ob ich oder ein Mörder oder ein Gottesgläubiger irgendeiner Glaubenszugehörigkeit handelt: Ist einer von uns Ursache von Vikarma (siehe ganz oben), fällt Vikarma auf ihn zurück. Es ist nicht das Karma, das ‚für’ Handlungen ‚straft oder belohnt’, es sind die Handlungen selbst, die ‚strafen oder belohnen’ - individuell, persönlich, denn hinter der Handlung, die eine karmische Reaktion in Gang setzt, steht ja immer eine individuelle, selbstverantwortliche Person.“


Auf der gleichen Seite lesen wir:


„Entsprechend dem vedischen Karmaverständnis ist lediglich das Ausmaß des Genusses und des Leides vorherbestimmt. Die individuelle Freiheit, über sein Tun zu bestimmen, wird davon nicht berührt. Ich kann von heute auf morgen nach Australien auswandern, aber auch dort wird mir dasselbe Ausmaß an Genuss oder Freude und Leid begegnen wie hier auch. Daher kann in diesem Sinne nicht von einer absoluten Vorherbestimmung gesprochen werden. Vielmehr ist alles, was geschieht, eine Wechselwirkung von dem, was sich die Lebewesen einerseits in der Gegenwart wünschen und in der Vergangenheit gewünscht haben (freier Wille), was sie (aufgrund des freien Willens) tun und andererseits den Wirkungen (karmische Reaktionen) aus den eigenen vergangenen Handlungen.

Konkret befinde ich mich aufgrund meiner vergangenen Wünsche und Handlungen in einer bestimmten Situation, ob mir diese gefällt oder nicht. Gleichzeitig bin ich aber immer frei, wie ich mit dieser Situation umgehe. Dieses Umgehen in und mit der Situation wird wiederum Mitursache für neue zukünftige Lebenssituationen im Kreislauf der Wiedergeburt werden.

Ohne (Willens-)Freiheit kann es keine Eigenverantwortlichkeit geben. Daher [sind] der Wille und das Wünschen immer frei, aber gleichzeitig ist das Lebewesen nicht allmächtig. So kann zwar das Lebewesen jederzeit frei entscheiden (wünschen), – doch wann und wo dieser freie Willensausdruck umgesetzt wird, wird von Gott bestimmt, der als innerer Lenker (in Sanskrit:

antaryami) in allen Lebewesen und allen Dingen weilt. Das heißt: wir wünschen und sehnen uns nach bestimmten Dingen (auch wie wir Handeln möchten) und entsprechend diesen Wünschen (aus diesem und vergangenen Leben) und entsprechend der karmischen Situation von uns und den anderen Lebewesen in unserem Einflussbereich, leitet der innere Lenker unseren Weg und die Wege aller anderen Lebewesen.“


Hier sehen wir endgültig, dass Vincent Franks o. g. Aussage (zur Erinnerung: Wenn man den Gedanken der Reinkarnation weiterdenke, hieße dies doch, dass der Holocaust und das grausame Sterben der Anne Frank harmlos, ja heilsgeschichtlich erforderlich waren. „Sie stellten dann eine Voraussetzung für die Wiedergeburt von Anne Frank und damit aller anderen Opfern dar.“) ein Trugschluss ist. Nach dieser Definition hat jeder Mensch, also auch Anne Frank einen freien Willen, und insofern kann von einer „Heilsgeschichtlichen ‚Notwendigkeit’“ und einer „Harmlosigkeit des Sterbens der Anne Frank“ überhaupt keine Rede sein.


Über den im Artikel „Barbro Karlén: Selbsternannte Wiedergeburt von Anne Frank“ bereits erwähnten Buddy Elias wird dort gesagt, er habe große Achtung vor Barbro Karlén und sei einverstanden gewesen , dass sie ihr Buch veröffentliche. Der Cousin von Anne Frank glaube an die Möglichkeit der Reinkarnation, jedoch sei es ihm nicht möglich, zu sagen, Karlén sei seine Cousine. Dafür habe er Anne Frank zu gut gekannt. Das folgende Zitat aus diesem Artikel ist wiederum sehr interessant:


„In dem von Goldberger straff geleiteten Podium mit Fragen und Antworten an und von Karlén, Reinkarnations-Therapeuten und Psychologen wurde allerdings nicht klar, warum für die Botschaft der Liebe zum Mitmenschen und für die Einsicht, dass alles in einem Leben seine Bedeutung hat, ausgerechnet die Reinkarnationstherapie notwendig ist.“


Hier wird das Thema plötzlich vollkommen verkehrt. Es ging in dem Forum ja nicht um die Frage, ob die Reinkarnationslehre „notwendig“ ist, sondern um die Frage nach der Echtheit der Reinkarnationslehre. Dies war das Grundthema, und aus ihr wurde ja erst die o. g. Botschaft“ abgeleitet.

Eine kritische Frage betraf das Klischee, dass „vielfach Wiedergeburten bekannter Personen, wie z. B. Cleopatra begehrt seien. „Wo bleibt aber die einfache Bauersfrau?“, fragte Edith Ackermann, ein Medium aus Birsfelden.

Hierzu ist zu sagen, dass zumindest in Fällen, mit denen sich Forscher beschäftigten, von Personen die Widerverkörperungen berühmter Persönlichkeiten sein wollen, so gut wie nie die Rede ist.

Auf der Seite http://www.akdh.ch/ps/ps_83Anthro- Geisterbahn.html (Zugriff am 28.01.2010), also auf der Homepage der Kinder des Holocaust wird darauf hingewiesen, dass Aussagen des ehemaligen Geschäftsführers des Anne- Frank-Hauses zufolge, Anne Franks Vater Otto die Idee der Reinkarnation ablehne und dass er der Ansicht gewesen sei, dass diese Vorstellung die Einmaligkeit und Integrität jedes Individuums verletze.

In großen Lettern ist auf dieser Seite zu lesen:

 

„Der Missbrauch der Person Anne Frank ist eine Form drastischen und offensiven Antisemitismus’, wie auch eine Relativierung des Holocausts und des NS-Faschismus’.

Das ist die esoterische Variante der Relativierung von NS- Verbrechen, die von Thomas Meyer „Offene Türen“ verbreitet wird.“


„Offene Türen“ ist ein Theaterstück, auf das Karléns Buch basiert. Da glaubt eine Person, die wiedergeborene Anne Frank zu sein und ein Verleger wagt es, deren Buch zu veröffentlichen. Und das soll Form eines „drastischen und offensiven Antisemitismus“ sein? Interessant ist auch der Verweis auf eine „esoterische Variante der Relativierung von NS-Verbrechen“ Sollte es hier in Wirklichkeit um eine Verurteilung der Esoterik an sich gehen? Wir werden diesen Gedanken gleich weiter verfolgen, doch zuvor wollen wir einen Leserbrief zitieren, der auf der Seite http://www.bhakti-yoga.ch/FACTS/BaZ_LB.html (Zugriff am 03.02.2010) wiedergegeben wird. Er stammt ursprünglich aus der Baseler Zeitung und war eine Reaktion auf den Artikel Eine Reinkarnation wirbelt Staub auf, aus BaZ Nr. 120. Der Leserbrief stammt von niemand anderem als von David Schweizer, dem Präsidenten der Zionistischen Vereinigung Basel. Da der Inhalt dieses Leserbriefes für unsere Betrachtung von äußerster Wichtigkeit und Brisanz ist, kann nicht darauf verzichtet werden, ihn vollständig an dieser Stelle wiederzugeben:


„In diesem Artikel wird behauptet, dass die Mehrheit der religiösen Juden nicht an Reinkarnation glaubt. Das ist falsch. Die Wiederverkörperung (Gilgul) ist im religiösen Judentum weitgehend anerkannt. Für die chassidischen Juden ist der Glaube an Reinkarnation ein zentrales Element ihres religiösen Selbstverständnisses. Sie bildeten vor dem Holocaust die Mehrheit des europäischen Judentums und sind auch heute einer der größten jüdischen Gruppierungen. Dass die Opfer des Holocaust wiedergeboren werden, ist für sie eine Selbstverständlichkeit (vgl. Rabbi Yonassan Gershom: „Kehren die Opfer des Holocaust wieder?“) (Dieses Buch ist die deutsche Version von Gershoms Büchern Beyond the Ashes und From Ashes to Healing.) Meine Grosseltern sind in Auschwitz ermordet worden. Dass sie ein neues Leben haben können, bedeutet für mich Genugtuung und Trost. Der Gedanke, dass auch Anne Frank sich wiederverkörpern wird, ist für einen religiösen Juden kein Problem. Ob sie als Barbro Karlén wiedergekommen ist, weiss ich nicht. Ich habe Barbro Karlén persönlich kennengelernt und gewann den Eindruck, dass sie eine ausserordentlich bescheidene und integre Person ist. Es sind vor allem nichtreligiöse Juden, die den Gedanken von Reinkarnation ablehnen. Dazu gehören die paar wenigen Mitglieder der ‚Aktion Kinder des Holocaust’. Sie haben vom Judentum offensichtlich keine Ahnung und sind in keiner Weise repräsentativ. Der übertriebene Aktivismus und die unwürdige Vereinnahmung des Holocaust durch diese Gruppe löst in jüdischen Kreisen allgemein Missfallen aus. Ihre Mitglieder glauben offenbar, dass die Opfer des Holocaust ewig tot und die Täter ewig schuldig sind. Aus den Quellen des Judentums erfahren wir ganz anderes. Diejenigen, die gelitten haben, werden andere, bessere Leben haben, und die Verbrecher können zum Guten umkehren – wenn nicht in diesem Leben, dann in einem anderen. Dem reuigen Sünder wird verziehen werden, wobei die Art des Ausgleichs für seine Taten im Himmel bestimmt wird. Dieses Ausgleichssystem entspricht dem, was man in der indischen Tradition „Karma“ nennt. Karma ist kein ‚Straf’-Gesetz, sondern ein Weg des Lernens, so wie auch die jüdische Religion als solche nicht als Gesetz, sondern als Weg (Halacha) und als Lehre (Thora) verstanden wird. Der Mensch muss über viele Inkarnationen hinweg lernen, das Gute selber zu wollen. Im Paradies war er auch gut, aber er ‚wollte’ das Gute nicht. Er war unbewusst gut. Wer sich nie schuldig gemacht hat, wird nie die Scham empfinden, die ihn dazu bringt, inskünftig Gutes zu tun. Durch eigenes Leid stärken wir unser Mitgefühl. Aus Jesaja 53 lernen wir, dass Menschen auch Leiden auf sich nehmen können, um die karmischen Lasten anderer mitzutragen. Alles hat einen Sinn: das Schuldigwerden wie das Leid. Wer das nicht glaubt, muss sich fragen, ob er nicht an Gott zweifelt, denn dieser hat beide Möglichkeiten geschaffen. Und welcher gläubige Mensch will behaupten, dass Gott Sinnloses schafft? Wenn wir genug Liebe und Mitgefühl gelernt haben, werden wir der Auferstehung würdig sein. Reinkarnation und Karma sind Ausdruck der göttlichen Gnade. Was die ‚Aktion Kinder des Holocaust’ verkündet, ist eine Botschaft der Trostlosigkeit. Die jüdische Religion dagegen lehrt uns, dass es eine göttliche Gnade, ein Verzeihen und eine Auferstehung von den Toten gibt. Sie ist eine Botschaft der Hoffnung und der Freude.“


Erschreckend ist, dass Otto Georg Schmidt, der 1989 auf der Seite http://www.relinfo.ch/karlen/info.html (Zugriff am 03.02.20010) schreibt:


„Die Todesart Annes, Verbrennen bei lebendigem Leibe, passt schlecht zu den Gebräuchen im KZ. Von der historischen Anne Frank wird angenommen, dass sie wohl an Typhus gestorben ist.“


Dass ein Autor, der so wenig über den Holocaust weiß, für eine evangelische Informationsseite schreibt, ist schon recht krass. Wenn Stevenson und Gershom, als sie sich im Zusammenhang mit der Reinkarnation mit dem Holocaust beschäftigten (wie sie in meinem u. g. Buch lesen können, sich über diesen Punkt informierten, ist dann nicht von einem Autor, der für eine evangelische Informationsseite schreibt, zu erwarten, dass er sich ebenfalls informiert, bevor er eine derartige Fehlinformation abgibt? In diesem Fall haben die Befürworter der Reinkarnations-Theorie jedenfalls gründlicher gehandelt als ein Kritiker derselben!


Buch zum Thema:

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